Die Kunst der Rhetorik im Koran
Warum verwendet der Qurʾān die Form al-Kauṯar? Warum suchen wir Zuflucht beim Herrn des Falaq und beim Herrn der Nās? Warum heißt es Aḥad und nicht Wāḥid – und weshalb ist jede Form von Abstammung oder Verwandtschaft mit Ihm ausgeschlossen?
Die Koransuren al-Kauṯar, al-Iḫlāṣ, al-Falaq und an-Nās werden hier erstmals im Deutschen auf Grundlage des 2007 erschienenen Werkes ʿAlā Ṭarīq at-Tafsīr al-Bayānī des irakischen Sprachgelehrten Dr. Fāḍil Ṣāliḥ as-Sāmarrāʾī erschlossen. Die vorliegende Analyse eröffnet einen Zugang zum Qurʾān über seine sprachlich-rhetorische Tiefenstruktur – einen Zugang, der im deutschsprachigen Raum bislang kaum sichtbar geworden ist.
Morphologie, Grammatik, Etymologie, Lautgestalt, Wortstellung und lexikalische Auswahl werden mit sprachwissenschaftlicher Präzision untersucht, um sichtbar zu machen, wie der Qurʾān Bedeutung nicht lediglich vermittelt, sondern sie durch seine sprachliche Form selbst hervorbringt.
Dabei erscheint der qurʾānische Text als eine dichte Einheit aus Klang, Struktur und metaphysischem Gehalt: Gottesbild, Vorherbestimmung, Offenbarung und Jenseits sind bis in kleinste sprachliche Partikel hinein semantisch verwoben. Rhythmus, Phonetik und Bedeutung wirken zusammen, sodass das Gemeinte nicht nur verstanden, sondern unmittelbar im Bewusstsein des Lesers verankert wird.
Dieses Werk eröffnet einen seltenen Einblick in die Feinheit qurʾānischer Sprache und zeigt, wie die göttliche Botschaft sich gerade durch ihre sprachliche Form in der Welt manifestiert.